Verdrehung der Tatsachen

Wo fängt Entfremdung an?

Meine Tochter kam das letzte Mal zu unserem zweiwöchigen Rhythmus – wieder einmal – mit dem Kopf voller Läuse und Nissen zurück. Innerhalb von drei (Grundschul-)Jahren war das nun schon das vierte oder fünfte Mal, dass sie vom Vater so zurückkam. (Stellen Sie sich „vom Vater“ bitte unterstrichen vor.)

Kann ja sein. Ist auch so. Das ist kein Vorwurf. Es ist nur äußerst unglücklich, dass wir ein Kind haben, das diese sch… Viecher scheinbar magisch anzieht. Matilda hat viiiieeele, lange, wunderschöne braune Haare. Der Vorteil von langen Haaren ist, dass man sie gut zusammenbinden kann – was ich in den typischen Läuse-Hoch-Saison-Zeiten (nach den zweiwöchigen Ferien und in der Mützen-Saison) auch mache. Ich flechte ihr einen Zopf – unter Gemaule und Genöle – und sprühe ihn mit Ungeziefer-Abwehrspray ein. Nein, nicht bio und nicht vegan. Oder doch? Keine Ahnung. Mein Sarkasmus dient hier vor allem dazu, meiner Realität und meiner Wut Ausdruck zu verleihen. Also bitte keine Diskriminierung von Veganern … oder egal.

Warum Matilda aber jedes Mal bei Kopflausbefall direkt vom Vater kommt, weiß ich nicht. Gucken Männer nicht so genau? Eigentlich dürfte ich dieses „typisch Mann“-Klischee nicht gelten lassen, denn schließlich ist er so korrekt, überpenibel und, in seinen Augen, die „beste Mutter unter allen Vätern“.


Die Entlausung – ein Höllenritt

Dieses Mal schrieb ich dem Kindsvater eine E-Mail. Der Inhalt war eine Zusammenfassung dessen, was ich ihm schon beim letzten Mal persönlich gesagt hatte: Ich mache diese Entlausungsprozedur nicht mehr.

Wenn es passiert, sitze ich mit Matilda am Tag der Katastrophe zwei bis drei Stunden im Bad und suche jedes einzelne Haar ab. Ich schwöre: JEDES! Finde ich eine Nisse, ziehe ich das ganze Haar heraus. (Noch hat sie genug davon – jedes gezogene Haar ist ein Lause-Eier-Ablegeort weniger bei der nächsten Invasion.) Matilda hat so viel (und so wunderschönes) Haar – warm-braun-rot schimmernd, wie es leider oder zum Glück von mir und dem Vater geerbt wurde.

Ich finde es nur fair, dass ER beim nächsten Mal die Entlausung übernimmt.


Der Frust sitzt tief

Wenn ich meiner Familie oder unserer befreundeten Friseurin schreibe: „Frag nicht, was wieder passiert ist“, wissen allesofort Bescheid. Und dann habe ich nie etwas Hochprozentiges im Haus, um mir die Laus von der Kopfhaut zu trinken. Nein, ich muss da durch. Matilda und ich müssen da durch. Über eine Woche lang suchen wir jeden Tag ihren Kopf ab, kippen Chemie drauf (Nyda und Co.) und suchen weiter.

ES. IST. DIE. HÖLLE.

Das Schlimmste: Ich muss mich ebenfalls behandeln. In den Stunden nach der Übergabe haben Matilda und ich gekuschelt, geschmust, zusammen auf dem Sofa gelegen – oder schon eine Nacht zusammen im Bett geschlafen.


Die E-Mail an den Kindsvater

Also schrieb ich eine E-Mail – adressiert an den Kindsvater und seine Freundin, in Kopie ans Jugendamt. Vorher hatte ich mich telefonisch beim Jugendamt erkundigt, wie ich mich in solch einem Fall verhalten darf. Die E-Mail hatte rein informativen Charakter, keine Unterstellungen, keine Verurteilungen.

Ich teilte mit, dass ich Matilda beim nächsten Kopflausbefall an den Vater zurücksenden werde, damit er die gesamte Prozedur übernimmt. Es kostet Zeit! Nerven! Geld! Und ich bin durch.

Ich möchte nicht mehr, dass unsere wertvolle gemeinsame Zeit mit dieser nervenaufreibenden Arbeit gefüllt wird. Ich will, dass Matilda und ich schöne Stunden miteinander verbringen – und nicht Stunden voller Tränen, Chemikalien und Entbehrungen:

  • Keine Unternehmungen mit Freunden
  • Keine Freizeit
  • Stattdessen Wäsche waschen, Kuscheltiere eintüten und einfrieren

Und ja: Ich habe es satt, immer diejenige zu sein, die die Drecksarbeit erledigt.


Die Reaktion des Ex und der Next

Matilda erzählte mir heute – nach dem Übergabemontag (übrigens frei von Läusen und Nissen, Applaus!) –, dass die Next zu ihr gesagt hat:

„Wenn du das nächste Mal Läuse hast, will dich deine Mama nicht mehr haben.“

Ich dachte bis zu diesem Zeitpunkt, dass die Next die einzig Vernünftige in dieser Nachtrennungs-Konstellation sei. Doch auch der Ex schlug in die gleiche Kerbe:

„Deine Mama will dich nicht. Aber wir würden uns freuen, wenn du dann noch länger bei uns bleibst.“

Meine Tochter sagte zu mir, es klang so wie: „Wie kann man als Mutter sagen, dass man das eigene Kind nicht mehr haben will?!“

Wie soll ich da als Mama reagieren?

Ich liebe meine Tochter über ALLES! Und ich liebe sie mit Läusen! Mit eiternden Pickeln! Mit Wutausbrüchen! Mit Hausaufgabendramen! Mit übertriebenen Szenarien! Mit unlustigen Witzen! Mit Essensnörgeleien! Mit Lügen! Mit Flunkern! Mit Ausreden!

Meine Liebe ist allumfassend. Und sie weiß das! Und ich dachte, sie spürt das. Ich sage es ihr. Ich zeige es ihr.

Und doch fragt sie: „Mama wirklich?“ 

Und es bricht mir das Herz!

„JA, mein Mädchen! Wirklich!“ 

Jahresplanung

Ferien, Feiertage und Urlaube – Unsere Regelungen

In den ersten beiden Jahren nach der Trennung erfolgte unsere Kalenderplanung ausschließlich mit Unterstützung des Jugendamts in Form von Mediation. Ohne diese Hilfe war es damals unmöglich, eine Einigung zu finden – selbst mit unserer komplizierten 70/30-Regelung von 2015 bis 2017.

Man könnte meinen, dass es bei einem zweiwöchigen Wechselmodell wenig Streitpotenzial gibt. Doch jedes Jahr am Jahresende entstehen hitzige Diskussionen über die Planung der kommenden zwölf Monate. Der Kindsvater ist ein Excel-Fanatiker und plant alles bis zur Minute genau. Für mich ist das zwar anstrengend in der Kommunikation, aber am Ende hilfreich, um eine verlässliche Struktur zu schaffen.


So läuft die Ferienregelung bei uns ab

  • Start ins Jahr:
    Wir beginnen das Jahr mit den ersten beiden Januarwochen. Der Elternteil, der das Jahr beginnt, wechselt jedes Jahr – das sorgt für Fairness. Danach folgen wir dem zweiwöchigen Rhythmus, mit Ausnahme der Ferien.

Kurze Ferien (Fasching, Herbst):

Die einwöchigen Ferien werden nicht extra aufgeteilt, sondern fallen so, wie es der Rhythmus vorgibt.

Zweiwöchige Ferien (Ostern, Pfingsten):

Diese teilen wir hälftig auf.

  • Der Elternteil, dessen reguläre zwei Wochen gerade enden, hängt die erste Ferienwoche an.
  • In der Mitte der Ferien erfolgt der Wechsel, und der andere Elternteil übernimmt die zweite Woche sowie – falls der Rhythmus so fällt – die darauffolgenden zwei Schulwochen.
  • Es kommt selten vor, dass die zweiwöchigen Ferien genau in den Rhythmus passen.

Sommerferien:

Die Sommerferien teilen wir in zwei Hälften:

  • Ein Elternteil hat die ersten drei Wochen, der andere die letzten drei Wochen.
    Matilda ist somit maximal drei Wochen am Stück bei einem Elternteil, was sich für alle Beteiligten als praktikabel erwiesen hat.

Feiertage – unsere Abmachungen

Weihnachten:

Bis vor Kurzem haben wir während der drei Weihnachtsfeiertage hin- und hergewechselt. Da unsere Familien jedoch in Deutschland verstreut leben, wurde das Wegfahren dadurch unmöglich. Deshalb gilt jetzt:

  • Weihnachten wird abwechselnd bei einem Elternteil verbracht.
  • Der Elternteil, der Weihnachten mit Matilda verbringt, hat sie im darauffolgenden Jahr zu Ostern – und umgekehrt.

Silvester:

Matilda verbringt Silvester bei dem Elternteil, der sie nicht an Weihnachten hatte. Dieser Elternteil startet auch das neue Jahr im zweiwöchigen Rhythmus.

Muttertag und Vatertag:

An diesen Tagen verbringt Matilda die Zeit bei dem jeweiligen Elternteil. Diese Regelung ist jedoch nicht bindend: Sollte einer von uns verhindert sein, entfällt der „Anspruch“ auf den Tag.


Geburtstage – eine besondere Regelung

Geburtstage der Eltern:

An den Geburtstagen verbringt Matilda den Tag mit dem „Geburtstagskind“. Sollte derjenige etwas anderes planen, entfällt diese Regelung.

Matildas Geburtstag:

Diese Regelung ist etwas komplizierter und wurde vom Kindsvater schriftlich festgehalten. Ich zitiere:

„Der Elternteil, bei dem sich Matilda im zweiwöchigen Wechselmodell gerade aufhält, verbringt den Morgen und die Zeit am Geburtstag bis 16 Uhr. Der andere Elternteil übernimmt den Rest des Tages bis zum Beginn der Schule am Folgetag. Ist der Folgetag ein Wochenende, erfolgt die Übergabe bis 10 Uhr.“

In der Praxis sieht es während der Schulzeit so aus:

  • Matilda verbringt den Vormittag und den Nachmittag bis 16 Uhr beim Elternteil, bei dem sie gerade ist.
  • Danach wechselt sie zum anderen Elternteil, wo sie den Rest des Tages feiert.
  • Am nächsten Tag kehrt sie nach der Schule wieder zum Elternteil zurück, bei dem die reguläre Betreuungswoche läuft.

Zusammenfassung – Unsere wichtigsten Punkte

  1. Zweiwöchiger Rhythmus bleibt die Grundlage: Ferien und Feiertage bringen Ausnahmen, die jedoch klar geregelt sind.
  2. Fairness bei Ferien: Kurze Ferien folgen dem Rhythmus, längere Ferien werden hälftig geteilt.
  3. Maximale Flexibilität bei Feiertagen: Die Regelungen zu Weihnachten, Silvester und Ostern schaffen klare Abwechslung und ermöglichen beiden Elternteilen wichtige Zeit mit Matilda.
  4. Geburtstagsregelung ist klar definiert: Geburtstage der Eltern und des Kindes haben besondere Regeln, die sich als praktikabel erwiesen haben.

Diese Struktur und die Absprachen haben uns geholfen, den Alltag zu entlasten und Streitpotenziale zu minimieren. Rückblickend kann ich sagen: Es ist nicht perfekt, aber praktikabel – und vor allem im Sinne von Matilda.

Die orange markierten Tage gehören Matilda und mir. Blanko ist der Kindsvater. Muttertag und Vatertag wurden extra markiert. Ebenso der Geburtstag des Kindes.

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Organisation

Wie regeln wir den Wechsel?

Wir haben uns für einen zweiwöchigen Wechsel entschieden. Verschiedene Studien – vor allem aus skandinavischen Ländern – kommen zu dem Ergebnis, dass so wenige Wechsel wie möglich für Kinder am besten sind.

Natürlich spielt das Alter der Kinder dabei eine entscheidende Rolle:

  • Kleinkinder (Kindergartenalter) kommen mit einem wöchentlichen Wechsel besser zurecht.
  • Noch jüngere Kinder profitieren oft von einem tageweisen Wechsel, wenn sich die Eltern für das Doppelresidenzmodell entschieden haben.
    Allerdings bin ich der Meinung, dass das Wechselmodell für sehr junge Kinder oft besonders herausfordernd ist.

Da Kinder erst ab einem Alter von etwa 6 bis 7 Jahren anfangen, ihren Radius auf Freunde und Umgebung zu erweitern, finde ich ein „richtiges“ Wechselmodell 50/50 erst ab diesem Zeitpunkt sinnvoll. Vorher halte ich persönlich einen erweiterten Umgang für besser. Sobald das Kind sich an zwei Zuhause gewöhnt hat und alle Beteiligten gut damit zurechtkommen, ist meiner Meinung nach der Schritt zu einem „echten Wechselmodell“ möglich.


Unser Weg zum Wechselmodell

Zwischen 2015 und Ende 2017 hatten wir eine Betreuungsregelung von 70/30. Seit 2018 leben wir das 50/50-Modell.

Unser Wechsel findet immer am Montag nach der Schule statt:

  • Ein Elternteil bringt Matilda Montagfrüh in die Schule.
  • Der andere Elternteil holt sie Montagmittag nach der Betreuung ab.

Die „Schicht“ des abgebenden Elternteils endet somit um 8:00 Uhr an diesem Montagmorgen, und die Betreuungszeit des empfangenden Elternteils beginnt. Sollte Matilda an diesem Montagmorgen krank werden, erfolgt der Wechsel um 8:00 Uhr an der Wohnungstür.


Kein Hin- und Hertragen von Sachen

Da beide Elternteile voll ausgestattete Kinderzimmer und Kleiderschränke haben, braucht Matilda keine Sachen hin und her zu tragen. Selbst ihre Gitarre haben wir doppelt, sodass sie nur ihren Schulranzen, die Sporttasche und ihr Notenheft mitnehmen muss.

Natürlich ist diese Lösung finanziell herausfordernd. Alles doppelt anzuschaffen kostet viel Geld. Doch da wir beide so wenig Berührungspunkte wie möglich haben wollen, haben wir uns stillschweigend darauf geeinigt. Es gibt jedoch immer Möglichkeiten, günstige Kleidung zu finden: Kirchenbasare (vor allem bis zur Grundstufe), Outlets, Verwandte oder den Freundeskreis.

Ab einem Alter von etwa 11 bis 12 Jahren wird es schwieriger, da Kinder dann oft ihren Lieblingspulli oder ihre Must-Have-Jeans haben, ohne die sie nicht aus dem Haus gehen möchten. Hier bleibt nur: entweder doppelt anschaffen oder waschen, waschen, waschen. Für alles findet sich eine Lösung.


Die Abschiede – eine emotionale Herausforderung

Die Abschiede sind natürlich schwer – für uns beide. Am letzten Abend ist Matilda oft sehr traurig und hat besonders viel Kuschelbedarf. Als sie noch kleiner war, flossen dabei auch manchmal Tränen. Doch das ist völlig normal – wer nimmt schon gerne Abschied?

Am Wechselmorgen muss ich sie etwas früher wecken, damit wir noch Zeit zum Kuscheln haben und jede „Mama-und-Kind-Minute“ auskosten können.

Matilda selbst hätte lieber einen wöchentlichen Wechsel – oder am liebsten zwei Wochen Mama und eine Woche Papa. Doch ich kann unseren zweiwöchigen Wechsel guten Gewissens vertreten.


Warum unser zweiwöchiger Wechsel für Matilda funktioniert

  • Matilda liebt beide Elternteile gleich: Sie hat eine starke Bindung zu uns beiden.
  • Ihr geht es bei beiden gut: Sie fühlt sich in beiden Welten sicher und geborgen.
  • Handy-Kontakt: Wenn sie beim Vater ist, halten wir per Handy Kontakt, sodass sie sich verbunden fühlt.
  • Völliges Eintauchen in die jeweilige Welt: Der zweiwöchige Rhythmus ermöglicht es ihr, in der jeweiligen Welt richtig anzukommen und den Alltag dort zu genießen.
  • Matilda kommt glücklich zurück: Wenn sie zurückkehrt, wirkt sie ausgeglichen und zufrieden.
  • Das Beste aus beiden Welten:
    • Was sie in der einen Welt nicht ausreichend bekommt (z. B. Zeit und Kuscheln), holt sie in der anderen Welt nach.
    • Sportliche Aktivitäten und das Leben in einer „Dreier-Familie“ (Vater, Freundin und Matilda) erlebt sie beim Vater.
    • Sie profitiert von beiden Seiten, was sie vielseitig und selbstbewusst macht.

Diese Regelung sorgt dafür, dass Matilda das Beste aus beiden Welten genießen kann, ohne das Gefühl zu haben, auf etwas verzichten zu müssen. Gleichzeitig bietet der zweiwöchige Rhythmus genug Stabilität und Ruhe für uns alle.

Wie wir Infos per Übergabe-E-Mails handhaben, könnt ihr in diesen Blogbeitrag nachlesen: 
Maximal 5 Themen in der Übergabe

Raus aus der Konkurrenz

Wer ist die bessere Mutter von uns beiden?

Seit der Trennung stehen der Kindsvater und ich in einem ständigen Wettbewerb, wenn es um unsere Tochter geht. Er scheint mir und allen anderen beweisen zu wollen, dass er unser Kind besser, aufopfernder, aufregender, glamouröser und pädagogisch wertvoller erzieht als ich.

Er hat die Eigentumswohnung in bester Lage.
Er hat die neue Partnerin an seiner Seite.
Er hat das Auto.
Er hat das Geld.
Die stabile Sicherheit.
Die förderliche Wohngegend.
Die besseren Schulen.
Die vermeintlich besseren Zukunftsaussichten.

Kurz gesagt: Er macht angeblich alles richtig, während ich angeblich alles falsch mache.


Die Verletzung hinter der Fassade

Am Anfang hat mich das zutiefst verletzt. Schließlich habe ich unsere Tochter die ersten fünf Jahre ihres Lebens fast alleine großgezogen – während er als „unsichtbarer“ Zaungast erst spätabends und an den Wochenenden in Erscheinung trat.

Matilda war und ist ein wundervolles Kind: einfühlsam, intelligent und fröhlich. Sie hat sich zu einem großartigen Menschen entwickelt.

Und jetzt soll all das sein Verdienst sein?

Jedes Mal kochte die Wut in mir hoch, wenn er plötzlich mit einem perfekt aussehenden Kuchen unterm Arm zu Schulfesten auftauchte. Im Kindergarten hatte er es oft nicht einmal geschafft, bei Aufführungen dabei zu sein. Doch jetzt, wo es um seinen Auftritt in der Öffentlichkeit ging, himmelten ihn alle Mamas an.

Wenn dieser gutaussehende, charismatische Mann inmitten der Frauen auftauchte, war es, als würden sich die Wolken teilen und die Sonne vor seinem Glanz erblassen.

Übertrieben? Vielleicht. Aber so fühlte ich mich – im Schatten. Mit meinem selbst gebackenen Kuchen unterm Arm, der nichts Besonderes war, weil er eben von einer Frau gebacken wurde. Ein Kuchen, von einem Mann „erschaffen“, ist gefühlt der Leib Christi.


Manipulation durch Worte

Seit wir das Wechselmodell leben und er nun auch Arzttermine mit Matilda wahrnehmen muss, erreichen mich gelegentlich Nachrichten, die mir die Tränen in die Augen treiben:

„… der anwesende Vater berichtet, dass es nur im Rahmen des Betreuungswechsels immer wieder zu einer Schmerzhäufung kommen würde ….“

Ja klar. Weil es dem Kind nur beim Vater gut geht. So las ich solche Sätze.

Doch ich erlebe meine Tochter ganz anders, als er sie darstellt. Matilda hat mir im Vertrauen erzählt, dass sie sich beim Vater nicht traut, über ihre Gelenkschmerzen zu sprechen, weil er unsensibel darauf reagiert:

„Und? Was soll ich da jetzt machen?“

Also sagt sie ihm nichts mehr. Stattdessen macht sie weiter: Fahrradfahren, Wandern, Klettern – auch wenn ihre Gelenke schmerzen.


Trauer, Tränen und Vertrauen

Laut Pädagogen sind Schmerzsymptome bei Kindern ein Ausdruck des Vermissens. Genau wie Tränen und Trauer. Auch meine Tochter weint, wenn unsere zwei gemeinsamen Wochen zu Ende gehen.

Aus seiner Sicht deutet er es vermutlich als Erleichterungstränen, weil sie ENDLICH wieder zu ihm darf.

Natürlich ist sie traurig, wenn unsere Zeit endet. Aber sie freut sich auch auf die Zeit bei Papa. Und genauso ist es andersherum.


Das Fazit nach 8 Monaten Wechselmodell

Nach acht Monaten Wechselmodell sehe ich zwei Seiten:

  1. Es war die beste Lösung für Matilda. Sie liebt beide Eltern und braucht uns beide in ihrem Leben.
  2. Der Kindsvater lebt seinen Narzissmus über das Kind aus. Er versucht, mich zu übertrumpfen und zu kontrollieren – auf Kosten meiner Psyche und somit auch auf Kosten unserer Tochter.

Mein Ausstieg aus dem Wettbewerb

Diese Machtkämpfe zerstören mich. Sie nehmen mir Energie, die ich für Matilda brauche. Deswegen habe ich beschlossen, aus diesem sinnlosen und zerstörerischen Konkurrenzkampf auszutreten.

  • Soll er doch mit Kuchen glänzen und sich dabei die Finger am Backofen verbrennen.
  • Soll er doch der Traummann aller Mamas sein.
  • Berichte von Arztbesuchen, in denen er versucht zu manipulieren, hefte ich nur noch kopfschüttelnd ab.

Ich lasse mich davon nicht mehr verletzen.


Ist das Resignation?

Nein. Es ist Vertrauen. Vertrauen in mich, in meine Tochter und in unsere Beziehung.

Es ist die Hoffnung, dass sie eines Tages selbst erkennt, welche Motivationen und Absichten die Menschen in ihrem Umfeld wirklich haben.

Matilda wird eines Tages spüren, wer sie mit aufrichtiger Liebe begleitet hat. Und das wird wichtiger sein als alle Kuchen und alle „perfekten“ Auftritte ihres Vaters.


Mamaliebe vs Papaliebe

Wenn das Kind nicht beide Elternteile lieben darf

Dies ist ein sehr persönlicher Beitrag, denn dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Ich bin in einer mehr oder weniger intakten Familie aufgewachsen, und meine Eltern trennten sich „erst“, als ich über 20 Jahre alt war. Meine jüngere Schwester war damals 9 Jahre alt. Meine älteste Schwester hatte bereits selbst Kinder.

Ich kann mich nicht an vieles aus meiner Kindheit erinnern, aber ein Bild habe ich klar vor Augen, wenn ich an meine Eltern denke:


Die Küchentischlinie

Meine große Schwester und ich saßen am Fenster, uns gegenüber am kleinen Küchentisch zu den Mahlzeiten. Unsere Eltern saßen neben uns. Meine Mutter neben meiner Schwester. Mein Vater neben mir.

Und genau diese Aufteilung war mein Dilemma. Sie steht hier symbolisch für mein Erleben in der Kindheit.

Mir wurde eine Rolle aufgezwängt – die Rolle des Lieblingskindes meines Vaters. Meine große Schwester war das Lieblingskind meiner Mutter.

Ich durfte nicht beide Eltern lieben. Wenn ich meine Mutter lieben wollte, musste ich meinen Vater ablehnen. Wenn ich meinen Vater lieben wollte, stellte ich mich gegen meine Mutter.


Ein unbewusstes Muster

Meine Mutter machte dies nicht bewusst. Sie selbst kam aus genau der gleichen Rollenverteilung in ihrer Herkunftsfamilie: Sie war die Lieblingstochter ihres Vaters, während ihre jüngere Schwester die Lieblingstochter ihrer Mutter war. Ich trat quasi in ihre Fußstapfen, weil sie mich unbewusst in diese Rolle drängte.

Ich durfte nie beide gleichzeitig lieben. Nicht offensichtlich.

Denn ich liebte – und liebe – beide. Doch meiner Mutter darf ich das bis heute nicht so zeigen, wie ich es möchte. Es kränkt sie, und sie macht mir Vorhaltungen. Selbst heute, mit 36 Jahren, trifft mich das mitten ins Herz.


Warum ich das erzähle?

Ich will nicht, dass es meiner Tochter genauso geht!

Wenn ich in die Zukunft meiner Tochter blicke, sehe ich sie als eine junge, selbstbewusste Frau, die Vertrauen in sich selbst und in das Leben hat. Dieses Selbstbewusstsein basiert auf einer starken Grundlage: ihren Eltern.

Ich möchte nicht, dass Matilda ihre Bestätigung nur aus der Zuwendung anderer Menschen zieht. Dieser Grundstein wird in der Kindheit gelegt – oder eben nicht. Bei mir wackelt er immer wieder, weil ich meinen Vater zwar als festen, aber nicht als positiven Bestandteil in meinem Leben wahrnehmen durfte. Ich wollte ihn lieben, durfte es jedoch nicht, ohne dafür von meiner Mutter abgewertet zu werden.


Matilda darf ihren Vater lieben

Trotz aller Schwierigkeiten, die ich mit dem Kindsvater habe: Matilda darf ihren Vater lieben.
Sie darf mir davon erzählen, sie darf es mir zeigen – und das ist vollkommen in Ordnung für mich.

Warum? Weil ich spüre und weiß, dass sie mich genauso liebt. Vielleicht sogar noch mehr.


Vertrauen statt Angst

Ich vertraue:

  • Der engen Bindung zwischen meiner Tochter und mir.
    Ich kann sie loslassen (für zwei Wochen zu ihrem Vater), weil ich weiß, dass sie glücklich und freiwillig zu mir zurückkommt.
  • Der Liebe zwischen uns.
    Das Band der Mutterliebe in den ersten sieben intensiven Jahren ist stark und fest.
  • Meiner Tochter.
    Sie hat ein gutes Gespür für Menschen entwickelt und ist sensibel und offen zugleich.
  • Dem Kindsvater.
    Auch wenn wir oft Meinungsverschiedenheiten haben, weiß ich, dass er unsere Tochter liebt und möchte, dass es ihr gut geht.
  • Mir selbst.
    Die Jahre als alleinerziehende Mama haben mir Selbstbewusstsein gegeben. Ich vertraue meinen Empfindungen und Fähigkeiten.

Die unerschütterliche Liebe einer Mutter

Eine Frau wird mit jedem Tag „mehr Mutter“. Sie wird stark und unerschütterlich in der Liebe zu ihrem Kind.

Genau das hat meiner Mutter gefehlt: Vertrauen. Vertrauen in sich selbst. Vertrauen in mich. Und damit auch Vertrauen in die unerschütterliche Mutter-Kind-Liebe.


Ein Geschenk für alle

Ich werde Matilda nie in einen Loyalitätskonflikt drängen. Sie darf beide Eltern lieben – mich und ihren Vater.

Denn nur so kann sie zu einer starken, selbstbewussten Frau heranwachsen, die weiß, dass sie nicht zwischen ihren Eltern wählen muss, um akzeptiert und geliebt zu werden. Sie darf uns beide lieben. Und das ist mein größtes Geschenk an sie.

5 Goldene Regeln zum Wechselmodell

Von der Politik gefordert – von den Müttern zerschmettert

Das Wechselmodell wird in Deutschland eher stiefmütterlich behandelt, während das klassische Residenzmodell von einem Großteil der Mütter vehement verteidigt wird.

Manchmal auch zu Recht: Egal ob aufgrund persönlicher Befindlichkeiten, Erfahrungen aus der Vergangenheit oder Gewalt in der Beziehung – jede Frau und Mutter hat das Recht, für sich und ihre Kinder eine sichere Zukunft zu gestalten und sie zu schützen. Doch spricht nichts gegen eine geteilte Elternschaft, kann diese Gestaltung auch innerhalb eines Wechselmodells gut gelingen.

Denn: Kinder haben ein Recht auf beide Eltern.


Meine Top 5 Voraussetzungen für das Wechselmodell (aus Mutterperspektive)

  1. Es muss eine gute Vater-Kind-Bindung vorhanden sein
  2. Er ist verantwortungsbewusst
  3. Die räumlichen Gegebenheiten müssen passen
  4. Das soziale Netzwerk des Kindes bleibt bestehen
  5. Das Modell ist verhandelbar
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