Übergabe Infos

Was muss rein – was nicht

Viele Eltern schreiben bei der Übergabe Emails oder besitzen ein Übergabebuch oder Pendelheft.

Egal wie ihr es nennt, wichtig und unverzichtbar ist es, wenn ihr euch nicht persönlich austauschen könnt. Doch auch wenn ihr nach der Trennung noch beste Freunde seid und alles persönlich bei einer Tasse Tee besprechen könnt, ist es ratsam für sich selbst eine kurze Zusammenfassung der Mamazeit schriftlich festzuhalten.

Da mein Ex und ich in direkten Dialogen übertrieben höflich den anderen die Pest an den Hals wünschen, haben wir uns in einer Mediation auf Email Übergaben geeinigt .

In zwei Wochen passiert sehr viel. Vor allem bei einem chronisch kranken Kind sind Infos zu Arztterminen und Gesundheitszuständen Pflicht.

Hier meine Top Five welche Informationen dem anderen Elternteil bei der Übergabe mitgeteilt werden sollten:

  1. Akute Erkrankungen und Verletzungen – im schwerwiegenden Fall (wie Notaufnahme oder Krankenhausaufenthalt) schnellstmögliche Info per Handy an den Kindsvater.
  2. Arzttermine – Grund: Was wurde besprochen? Therapieplan, Medikation, Folgetermine. Info wo die Medikamente in der „Pendeltasche“ (Schulranzen, KiGa-Rucksack) zu finden sind. Eventuell nochmals Hinweis „idiotensicher“ mit Infozettel der Dosierung.
  3. Schule/ Kindergarten – Elternabende, Protokolle werden meist als Email verschickt, sollten beide auf dem Verteiler stehen, Zusammenfassung Lernentwicklungsgespräche etc., Besonderheiten mit Mitschülern? Mobbing/Probleme. Ärger mit Lehrern?
  4. Was ist dem Kind wichtig? Soll etwas explizit angesprochen oder gefragt werden? Traut sich das Kind nicht von allein etwas anzusprechen? Mutter hier als Türöffner für Gespräch zwischen Vater und Kind.
  5. Finanzielles – je nach privater Vereinbarung zwischen den Eltern: größere Anschaffungen, Info über kommende Posten (Klassenfahrt), Beiträge etc. mit Bitte um Ausgleich, Beteiligung oder Vorschlag der Kostenteilung.

Ich halte ALLE Infos kurz und knapp. Meine Tochter ist neun Jahre alt und kann für sich selbst sprechen. Außerdem hat sie ein eigenes Handy und kann darüber frei verfügen. Sie sieht es, wenn der Vater angerufen oder geschrieben hat. Sie kann und soll selbst entscheiden, wie ihr Kontakt in den zwei Wochen aussehen soll. In einer Mediation haben wir festgehalten, dass an dem Wochenende zur Halbzeit mit dem anderen Elternteil telefoniert wird. Hier kann das Kind selbst für sich wichtige Dinge ansprechen oder gefragt werden.

Und hier die 5 Dinge die den Vater überhaupt gar nichts angehen und wo ich keine Infos mitteile oder gar Rechenschaft ablege:

  1. Unternehmungen und Freizeit – was in meinen zwei Wochen Mamazeit passiert und geplant ist, geht den Kindsvater nichts an. Ausnahme ist hier Aufenthalt/ Ferien im Ausland (streng genommen auch nur außereuropäisches Ausland).
  2. Alltag – wie wir diesen gestalten ist ganz allein unsere Sache. Freunde treffen, Shopping Touren, Fremdbetreuung durch Oma und Opa. Liegt in meiner Verantwortung und hat in der Übergabe Info nichts zu suchen.
  3. Erziehung – Medienkonsum, Bettgehzeiten oder Süßes vor dem Abendessen? Geht dem Kindsvater nichts an. (Andersherum allerdings auch nicht.)
  4. Vertraute Gespräche zwischen deinem Kind und dir – sollten unter euch bleiben. Wenn du willst, dass dein Kind dir vertraut, kommt da der Mantel des Schweigens darüber. Es sei denn es besteht Gefahr für „Leib & Leben“, dann solltest du deinen Ex Partner mit ins Boot holen.
  5. Dein Privatleben – neuer Partner? Kennenlerntreffen mit den neuen Bonus-Großeltern? Geht niemanden was an. Sollte monatlich ein anderer Typ am Tisch sitzen und in der Früh das Nutella wegfressen, wird das Kind eh seinen Unmut äußern.

Damit ich mich nach zwei Wochen noch an alles Wichtige erinnern kann, nutze ich folgende „Tools“

  1. den guten alten Kalender –  meist handschriftlich, wie eine Art Tagebuch. Da ich meinen dicken Filofax nicht herumschleppe, notiere ich Termine erstmal ins Handy und übertrage dann aufs Papier.
  2. Tagebuch – längere, sehr persönliche Dinge schreibe ich in mein Tagebuch. Meist sind es Auseinandersetzungen mit meiner Tochter und mir und meistens Probleme mit dem Kindsvater – die mich sehr belasten- gehören da hinein.
  3. App Day One – hier halte ich wichtige Inhalte zu Arztterminen und Unternehmungen fest. Auch mit Fotos und Zeitangaben. Das Schöne ist, man kann hier Orte angeben und das Wetter wird automatisch erfasst.

Warum mir das wichtig ist? Weil der Superdad beim Jugendamt mal gerne mit den Fragen und Behauptungen kommt, ich würde zu wenig mit Matilda unternehmen. Tja, das was Geld kostet ist quasi beschränkt. Aus gesundheitlichen Gründen ebenso Bergsteigen oder Fahrradtouren. Warum wir Sonntags einen Couchtag gemacht haben? Schau mal aufs Wetter, Daddy! Warum wir in den Ferien nicht auf die Kanaren geflogen sind? Schau was wir in der Heimatstadt alles unternommen haben, Superdaddy. Warum wir bei dem schönen Wetter nicht im Park waren? Wir hatten einen Arzttermin, du Superheld.

Ich persönlich muss mich oft rechtfertigen, was wir wann wo wie gemacht haben. Geht es ihn was an? Nein! Deswegen schreibe ich solche Dinge nicht in die Übergabe-Mail. Doch wenn es beim Jugendamt zur Sprache kommt, zücke ich meinen Kalender oder App und kann genau berichten, was Matilda und ich gemacht haben. Aufwendig? Total! Irrsinnig? Absolut!

Doch was will ich machen, wenn ich einen Superdad habe, der angeblich alles besser macht? Ich halte ALLES fest. Leider! Ich wünschte, ich hätte diesen Dokumentier-Wahnsinn nicht. Doch indirekt zwingt er mich dazu. Da ist wieder das Thema Konkurrenz. Oft muss ich beweisen, dass ich als leibliche Mutter eine Daseins-Berechtigung habe, neben dem super tollen Narzissten Vater plus der perfekten Next. Würde es ihm nur ums Kindeswohl gehen, bräuchten wir diesen Affenzirkus nicht.

Aber das ist ein anderes Thema ….

Published by

Anne & Matilda

Pseudonym für Mama & Tochter im Wechselmodell.

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