5 Goldene Regeln zum Wechselmodell

Von der Politik gefordert – von den Müttern zerschmettert. 

 

Das Wechselmodell ist hier in Deutschland noch sehr verpönt und das klassische Residenzmodell wird vom Großteil der Mamas vehement verteidigt.

Oftmals auch zu Recht! Egal ob persönliche Befindlichkeiten, Erfahrungen aus der Vergangenheit oder Gewalt in der Beziehung. Jede Frau und Mutter hat das Recht für sich und ihre Kinder eine Zukunft zu gestalten und ihre Kinder damit zu schützen.

Leider sieht das der Gesetzgeber etwas anders.

Und ich musste auch umdenken. In den letzten beiden Jahren habe ich Jugendämter erlebt, Gerichte, Anwälte und meinen ExPartner, den ich vieles zugetraut hatte – aber nicht DAS!

Über die oberen Instanzen möchte ich in einem anderen Artikel eingehen. Hier soll es nur darum gehen, wann – also unter welchen Voraussetzungen – kann ein Wechselmodell gelingen:

  1. Das Kind muss den Vater lieben!
  2. Es muss eine gute Vater – Kind Bindung vorhanden sein!
  3. Er ist verantwortungsbewusst
  4. Die räumlichen Gegebenheiten müssen passen
  5. Das soziale Netzwerk des Kindes bleibt bestehen

 

Das Kind muss den Vater lieben: das war für mich der wichtigste und entscheidenste Punkt, um mich auf das Wechselmodell einzulassen! Wenn ich gewusst hätte (eine Mama spürt das) dass sie ihren Vater nicht lieben und brauchen würde, hätte ich vor Gericht alle Hebel in Bewegung gesetzt und hätte geklagt bis zum letzten Atemzug, damit das Kind nicht zum Vater „muss“.

Es muss eine gute Vater – Kind Bindung vorhanden sein: der zweitwichtigste Punkt zur Überlegung Wechselmodell: ja-nein? In den ersten Jahren hat sich der Vater kaum gekümmert. Wie bei den meisten geht der Job immer vor. Die Mutter macht 90% der Beziehungsarbeit und kann froh sein, wenn Daddy am Sonntag mit dem Kind mal eins zwei Stunden alleine auf dem Spielplatz geht. Warum sollte das auf einmal auf 50/50 aufgeteilt werden? Hätte ich in meinem Beispiel die Aufteilung der 70/30 direkt nach der Trennung nicht gehabt, dann wäre das richtige Wechselmodell auch keine Option für mich gewesen. Da ich mir das nicht hätte vorstellen können und auch als ungerecht empfunden hätte. Mit der Aufteilung 70/30 über zwei Jahre konnte ich erkennen, dass mein Kind glücklich und gesund von einem zum andern geht.

Er ist verantwortungsbewusst: das Kind muss sich auf seinen Vater verlassen können! Er muss Termine im Kindergarten und Schule wahrnehmen, mit dem Kind zum Arzt gehen, dafür sorgen, dass es ordentliche Kleidung trägt und gesunde Mahlzeiten bekommt. Der Vater muss an der positiven und glücklichen Entwicklung seines Kindes interessiert sein.

Die räumlichen Gegebenheiten müssen passen: beide getrennten Elternteile müssen den Kindern ein harmonisches & liebevolles Zuhause bieten können. Ein eigenes Zimmer für die Kids, wo sie sich zurückziehen können. Im Hinblick auf die wachsende Selbständigkeit der Kinder, sollten die Wohnungen nicht zu weit voneinander entfernt liegen. Notfalls öffentlich gut erreichbar sein (Stadt) und/ oder die Bereitschaft der Eltern oder Umfeld, die Kinder bei Bedarf von einem zum anderen bringen zu können.

Das soziale Netzwerk des Kindes bleibt bestehen: auch mit dem Wechselmodell soll es möglich sein, dass dem Kind sein soziales Freundesnetzwerk nach der Schule erhalten bleibt. Je größer die Kids werden, umso wichtiger werden ihre Freunde. Diese sollten sie treffen können, egal ob sie gerade bei Mama oder Papa sind.

Fokus auf die Kinder 

Ich habe wochenlang überlegt, ob ich das Wechselmodell eingehen soll oder nicht. Mein Ego und Selbstbewusstsein haben in der Zeit sehr gelitten. Viele schlaflose Nächte habe ich durchgewacht und hin und her gegrübelt. Doch ich musste einsehen, dass ich den Fokus auf meine Tochter legen musste. Nicht auf mich. Und das war ein schwerer Schritt. Zumal ich wusste, dass der Kindsvater mich in meinem Leben und Entscheidungsfreiheit damit massiv einschränkte. Ich hatte Angst meine Tochter komplett zu verlieren. Mein Ex war einen Weg gegangen, der mich geschädigt und zutiefst verletzt hatte. Und doch habe ich meinen Stolz runtergeschluckt und habe eingewilligt bzw das Wechselmodell als Kompromiss vorgeschlagen. Und nach nun sechs Monaten und anfänglichen Schwierigkeiten, kann ich nur sagen, dass sich die Lage zunehmend entspannt.

Die Verantwortung ist klar geteilt – die Termine fest verhandelt.

Meine Bedingung zum Wechselmodell war eine zweiwöchige Aufteilung. Nicht Woche für Woche. Da mein Fokus in der kinderfreien Zeit 800km bei meinem neuen Lebenspartner entfernt liegt und ich dies nicht jede Woche hätte machen können. Auch ist nach Studien aus den Skandinavischen Ländern bewiesen, dass Kinder eine gewisse Zeit zur Umstellung benötigen und somit eine Zwei-Wochen-Regel für Kinder die bessere Lösung ist.

Diese Entspannung und Konfliktvermeidung tut meiner Tochter sehr gut. Sie darf unbeschwert von einer Welt in die nächste switchen. Die Tränen und klammernden Abschiede sind aufs Minimum im Monat reduziert, was sonst in der Vergangenheit mehrmals unter der Woche passierte. Es ist für kein Kind einfach, in zwei Welten zu leben. Selbst wir Erwachsene haben Schwierigkeiten mit Umstellungen und würden am liebsten immer gemütlich dort bleiben, wo man gerade seinen Koffer ausgepackt hat. Wenn man das dem Kind ersparen will, hätte es keine Trennung geben dürfen. Somit ist es die beste Lösung im Moment für uns als „Familie“.

Nichts ist für Immer: Zeiten und Strukturen ändern sich. Nichts ist in Stein gemeißelt. Es muss immer wieder „überprüft“ werden: gehts meinem Kind damit gut? Gehts mir als Mama damit gut? Bin ich bereit dieses Opfer zu bringen? Den Zeitpunkt bestimmen wir selbst. Sollte sich meine Tochter mit dieser Lösung nicht mehr wohlfühlen, muss das Modell neu verhandelt werden. Je älter Kinder werden, umso mehr Mitspracherecht bekommen sie. Auch vor Gericht.

Ich vertraue der Zeit! Und bis dahin mache ich das Beste draus. Matilda zuliebe!

 

 

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Photo by London Scout on Unsplash

Beitragsbild: Quelle: Photo by London Scout on Unsplash

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19 Antworten auf „5 Goldene Regeln zum Wechselmodell

  1. Danke Dir David! Auch wenn es zugegeben nicht ganz freiwillig war, aber meiner Tochter profitiert davon. Und das ist die Hauptsache 😉 Ich denke, dass andere Familien die positiven Erfahrungen brauchen, um diesen Schritt zu wagen bzw auszuprobieren. Liebe Grüße nach Leipzig, Maggie

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    1. Du schreibst das Wechselmodell war ein Kompromiss und geschah nicht gang freiwillig. Hatte sich Matildas Vater ein ganz anderes Betreuungsverhältnis/-modell vorgestellt?
      Entschuldige die neugierige Frage aber ich, meine Tochter und ihre Mutter leben ein annähernd ähnliches Betreuungsmodell (Verteilung etwa 40/60). Daher interessiert mich euer Weg zum Wechselmodell 🙂

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      1. Der KV hätte es gern bei 70/30 gelassen, da es bequem für ihn war und damit mehr bestimmt hat und trotzdem aus den wichtigsten Dingen (Arzttermine, Schule usw) Außen vor war. Doch ich wollte letztes Jahr zu meinem LG ziehen (800km) w/ Lebenshaltungskosten, Gesundheit usw und das wollte er unterbinden, indem er dem Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht zustimmte. Vor Gericht ist er mit seiner Anwältin einen vernichtenden Weg gegangen, sodass ich Angst hatte, er könnte das ABR bekommen und somit habe ich das Wechselmodell vorgeschlagen.

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  2. Oh, wow! Trotz eines konfliktreichen Gerichtsweges samt narzistischem Expartner habt ihr euch dennoch auf ein Betreuungsmodell geeinigt, welches verdammt viel Kooperation und Kommunikation braucht. Eure Kleine kann stolz auf euch sein!

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  3. Ich kann das Verhalten der Mutter nicht verstehen. Sie stellt ihre neue Beziehung über ein Residenzmodell und den Verbleib der Tochter im sozialen Umfeld ( und in der Nähe des Vaters). Warum ist der neue Partner nicht zur Mutter gezogen? Dann müsste die Tochter jetzt nicht das Wechselmodell ertragen. Ein sehr fauler Kompromiss auf Kosten des Kindes.

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    1. Hi Jojo, danke für deine Anregungen. Wir hatten nach der Trennung kein klassisches Residenzmodell, sondern eine Aufteilung 70/30. Der Vater hatte das Kind auch unter der Woche 1-2 Nächte bei sich gehabt. Und das wurde dem Kind zuviel. Diesen häufigen Wechsel wollte ich ihr nicht weiter zumuten. Außerdem konnte sich so der KV aus der Verantwortung ziehen (ich zahle Unterhalt und du kümmerst dich um Arzttermine, Schule usw) er war nur zum Spaßhaben und Glänzen da und ich hatte den Stress und Alltag. Jetzt ist es gleichberechtigt verteilt. Unsere Tochter muss das Wechselmodell nicht „ertragen“. Sie ist gerne mal da und mal dort. Sie kommt sehr gut damit klar. Wenn es ein fauler Kompromiss ist, dann auf MEINE Kosten. Ich stecke ihr zuliebe zurück und vertraue der Zeit. Das Leben ist Bewegung und ich fließe mit und halte nicht starr dagegen . Liebst, Maggie

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    2. Im Residenzmodell hätte sie auch zum neuen Freund ziehen können (und es gibt genug Frauen, die genau so das Residenzmodell durchsetzen).
      Es ist ihr hoch anzurechnen, dass sie die Bedürfnisse ihrer Tochter so hoch ansetzt.
      Also was soll das Klagelied.
      Offensichtlich sind alle recht zufrieden mit der Lösung, und der Freund kann ja vielleicht trotzdem zu ihr ziehen.

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  4. Alle Achtung,
    Das meiste deckt sich mit meinen Erfahrungen, wobei ich den Fragen 1-3 durchaus eine Lernkurve zugestehen würde. Selbst Liebe zum Kind kann sich manchmal auch erst nach der Beziehung entwickeln, wenn die Eltern eine emotional gestörte Beziehung hatten. Deshalb würde ich vor 1-3 Stellen: Es muss beim Vater das grundsätzliche, ehrliche Interesse dafür da sein, Das zu erfüllen.
    insofern ist ihre Schrittweite Ausweitung des Umgangs den sie gemacht habe, denn für die Entwicklungauch ein guter Ansatz, denn oft müssen Väter nach der Trennung auch erstmal aus dem Schatten der Mutter heraustreten, und vor allem im Punkt 3 lernen was das heisst für ein Kind verantwortlich zu sein.
    Punkt 4+5 sind natürlich die Basics, ohne die geht es gar nicht, und da gibt es auch nicht zu entwickeln.

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    1. Ich denke, dass eine Ausweitung des Umgangsrechts zeigen kann, ob sich Deine angesprochene Lernkurve entwickeln kann. Ich musste auch erst Vertrauen aufbauen, damit ich diesen Schritt in Erwägung gezogen habe. Auch wenn es im Vorfeld viel Streitereien gab, die wirklich verletzt haben, habe ich meiner Tochter zuliebe diesen Weg gewählt.

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      1. Die Welt wäre eine Schönere wenn mehr Eltern so denken.
        Wie ich in meinem Artikel zur eigenen Verantwortung (https://fatherleft.wordpress.com/2016/02/11/die-eigene-verantwortung/) zitiert habe: »Sie müssen sich entscheiden, ob Sie Ihre Kinder mehr lieben, als Sie Ihren Ex-Partner hassen«. dass ist oft der allererste Schritt.
        Ich habe auch für meine Kinder darauf verzichtet zu meiner 2. Frau in ihr Eigenheim zu ziehen (obwohl sie zu dem Zeitpunkt schon vollzeit bei mir gelebt haben. Das waren zwar nicht 200km aber das soziale Umfeld, und der Kontakt zur Mutter wäre dann auch hin gewesen. So musste Sie also zu mir ziehen.
        Mal sehen vielleicht sie dein Freund ja auch irgendwann die Chance (was nur problematisch wird, wenn er in seiner Umgebung auch schon Kinder hat).

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  5. Dass das Wechselmodell viel Kooperation und Kommunikation braucht ist ein oft vorgetragenes und „gut gepflegtes“ Vorurteil, das nachweislich zweifelhaft ist. Natürlich ist Co-Parenting immer ein Plus, egal unter welchen Umständen, aber es ist nach dem Stand der Erkenntnis gerade keine Voraussetzung zum Gelingen des Wechselmodells. Der Autorin zolle ich dennoch natürlich jeden Respekt, trotz allen Ärgernissen und einer gefühlten inneren Ablehnung diesen Schritt aus Liebe zum Kind zu gehen ist genau die Einstellung, die hoffentlich Schule macht! Bravissima.

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    1. Kommunikation und Kooperation braucht es schon. Wenn beide so verhasst sind, dass kein Gespräch möglich ist, funktioniert das nicht. Unsere Gespräche liefen nur mit Jugendamt und Mediation. Unsere Betreuerin hat einen sehr guten Job gemacht! Es braucht Offenheit und Verständnis für die Situation des anderen. Und im Fokus sollte immer das Kind stehen.

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    1. „Wiedereroberung“ ist wohl ein vollkommen unpassender Ausdruck beim Wechselmodell, aber einige müssen halt unbedingt ihr Feindbild Pflegen (und am besten noch gleich mit Nazikonnotation), um sich nicht die Frage zu stellen, warum sie nicht auch so verantwortungsvoll mit ihren Kindern umgehen.
      Ist aber auch schwer, die Verantwortung für seine eigenen Entscheidungen zu übernehmen, nicht wahr?

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  6. Allgemeine Anmerkung:
    Dieser Blog ist privat – nicht politisch! Es sind meine persönliche Erfahrungen die mir und meiner „Familie“ eine Basis für Entscheidungen bieten.
    Ich möchte hier weder der Mütterlobby noch der Väterlobby eine feindliche Plattform bieten. Ihr könnt über alles sachlich und fair diskutieren. Doch ich behalte es mir vor, als Bloginhaberin Kommentare nicht freizugeben oder auch zu löschen. Wenn ich eine Lobby unterstützen würde, dann die des Kindes! Und jede Familie und Situation ist ein EINZELFALL !

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  7. Mein Narz-Ex hat die neugewonnene „macht“ dazu missbraucht, unsere Tochter systematisch zu entfremden. Ich drücke euch die Daumen, dass sich deiner besser im Griff hat. Dagegen tun kannst du dann nämlich nichts mehr. Auch nicht über Gerichte so wie es momentan läuft. Und freiwillig wird er nicht auf weniger Umgang zurückgehen. Das wäre ja ein Rückschritt. Für Narzissten nicht tragbar! Viel Glück!

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    1. Hallo Ulla, danke auch dir für deinen Kommentar. Die Befürchtung – du du als Erfahrung machen musstest – habe ich auch. Und ich ahne zu wissen, wohin sich die Zukunft entwickeln wird. Er hat zukünftig die besseren Argumente (50/50, mehr Geld, bessere Wohngegend, die Freundin in der ETW als intakte neue Familie). Deswegen gebe ich weiterhin meine bedingungslose Liebe ans Kind und kann nur drauf vertrauen, dass es reicht. Dir auch alles Gute !

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