Raus aus der Konkurrenz

Wer ist die bessere Mutter von uns beiden?

Der Kindsvater und ich stehen im Bezug auf unserer Tochter im Wettbewerb. Seit der Trennung will er mir und allen anderen beweisen, dass er unser Kind besser, aufopfernder, aufregender, glamouröser und pädagogisch wertvoller erzieht als ich. Er hat die Eigentumswohnung in bester Wohnlage. Er hat die neue Partnerin an seiner Seite. Er hat das Auto. Er hat das Geld. Die stabile Sicherheit. Die förderlichere Wohngegend. Die besseren Schulen. Die besseren Zukunftsaussichten.

Kurz gesagt: er macht angeblich ALLES richtig und ich mach angeblich ALLES falsch.

Am Anfang hat mich das sehr verletzt, da ich unserer Tochter die ersten 5 Jahre an seiner „unsichtbaren“ Seite fast alleine großgezogen habe. Zumindest war er nur Zaungast abends zu später Stunde und an den Wochenenden.

Matilda war und ist ein wundervolles Kind und hat sich zu einem einfühlsamen, intelligenten und fröhlichen Mädchen entwickelt.

Und nun sieht es aus, als wäre das alles sein Verdienst? 

In mir kochte jedesmal die Wut hoch, als er plötzlich mit einem tollen Kuchen unterm Arm zu Schulfesten auftauchte (im KiGa hat er es oft nicht geschafft bei Aufführungen dabei zu sein). Alle Mamas himmeln ihn an. Sobald dieser gutaussehende, charismatische Mann unter einer Frauenmeute auftaucht, teilen sich die Wolken und die Sonne erblasst im Glanze seines Antlitzes.

Übertrieben? Na gut, ein bisschen. Aber so stand ich im Schatten immer daneben. Mit meinen tollen Kuchen unterm Arm, der ja nichts besonderes ist – da von einer Frau gebacken. Ein Kuchen von einem Mann „erschaffen“ ist gefühlt der Leib Christi.

Seit wir das Wechselmodell haben und er nun auch Arzttermine mit Matilda wahrnehmen muss, erreichen mich Zeilen die mir Tränen in die Augen schießen lassen.

„…der anwesende Vater berichtet, dass es nur im Rahmen des Betreuungswechsels immer wieder zu einer Schmerzhäufung kommen würde ….“

Ja klar. Weil es dem Kind NUR BEIM VATER GUT GEHT. So verstand ich solche Zeilen.

Ich verzweifelte, da ich meine Tochter ganz anders erlebe als der Vater es darstellt. Matilda sagt mir im Vertrauen, sie traue sich beim Vater nicht zu sagen, wenn sie Gelenkschmerzen hat, weil er unsensibel darauf antwortet: „Und? Was soll ich da jetzt machen?“ Sie muss weiter Fahrrad fahren, weiter wandern, weiter klettern usw auch wenn ihre Gelenke schmerzen. Deswegen sagt sie es ihm nicht mehr.

Laut Pädagogen sind Schmerzsymptome bei Kindern normal. Sie sind ein Ausdruck des Vermissens. Genauso wie Tränen und Trauer. Auch meine Tochter weint bei mir, wenn die zwei Wochen unserer Zeit zu Ende gehen. 

Aus Sicht des Vaters deutet er es bestimmt so, dass es Erleichterungstränen sind und das Kind ENDLICH zu ihm darf.

Natürlich ist sie traurig. Aber sie freut sich auf die Zeit bei Papa. Und genauso ist es andersrum! 

Das Fazit aus 8 Monaten Wechselmodell ist zweigeteilt. Auf einer Seite spüre und weiß ich, dass es die beste Lösung für Matilda war. Und auf der anderen Seite erlebe ich einen Kindsvater der seinen Narzissmus nun indirekt über das Kind auslebt.

Diese Machtkämpfe schaden meiner Psyche und somit auch unserer Tochter. 

Deswegen habe ich beschlossen aus dieser sinnlosen und zerstörerischen Konkurrenz auszutreten!

Ich nehme die glanzvollen Auftritte nicht mehr persönlich. Soll er sich doch die Finger am Backofen verbrennen. Soll er doch der Traummann aller frustrierten Muttis sein.  Berichte über die wenigen Arztbesuche in denen er versucht zu instrumentalisieren und zu manipulieren, hefte ich nur noch kopfschüttelnd ab.

Soll er doch denken, dass er das Beste fürs Kind ist. 

Das Leben ist schon anstrengend genug und ich brauche keine Kriegsnebenschauplätze.

Ist es Resignation? Nein, es ist Vertrauen. In mich. In meine Tochter. In unsere Beziehung & Bindung! Und es ist die Hoffnung, dass sie irgendwann selbst erkennt und fühlt, welche Motivationen und Absichten die Menschen in ihrem Umfeld haben.

 

 

 

 

 

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8 Antworten auf „Raus aus der Konkurrenz

  1. Liebe Maggie,
    das Titelbild finde ich super und sehr sehr passend!

    Ich hoffe, dass deine Tochter es zur Zeit einfach so empfindet, dass da ihre zwei liebsten Menschen ganz viel Liebe und Energie in sie und ihr Wohlbefinden stecken. Zwei Kuchen statt einer und sogar selbstgemacht, und alle sind stolz und begeistert.

    Was dich angeht: Ganz viel Kraft und gute Nerven wünsche ich dir ❤

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    1. Liebe Emily, ganz lieben Dank für Deinen Kommentar. ❤ Und du besinnst mich gerade auf das Wesentliche ! Ja ! Du hast Recht! Den Blick aufs Kind richten, den Stolz runterschlucken, jeden lassen wie er ist. Matilda freut sich über beide Kuchen. Über beide Anwesenheiten. Über Mama & Papa! Danke ❤

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  2. Sehr vernünftige Idee, ich kann mir vorstellen dass es nagt, wenn er nur Pupsen muss und alle rufen er solle doch eine Parfümerie aufmachen.
    Die beste art darauf zu reagieren ist wirklich nicht darauf einzusteigen, denn dein Kind merkt es, ob es für das eigene Ego benutzt wird. und als meine Ex angefangen hat manipulativ zu werden, weil sie meinte meine Tochter müsse doch mal die Wahrheiten über ihren Vater erfahren, ist sie lieber zu mir gezogen, weil sie sich das nicht antun wollte. Insofern ist es das Beste in deiner Zeit einfach für das Kind da zu sein und seine Bedürfnisse ernst zu nehmen. du beschreibst ja, dass er mehr finanzielle Mittel hat, solltest du mit deinem Mitgefühl für dein Kind kompensieren. das wird es dir mehr danken.
    Ach und bei den Gelenkschmerzen: die hatte meine Tochter auch. wenn es in den Knien ist, gibt es ein recht einfach mittel dagegen. Wie sind auch von Schulmediziner zu Schulmediziner gerannt, waren zum Schluß sogar beim Geistheiler, weil meine Tochter diese Schmerzen hatte. Zum Glück hatte meine zweite Frau in der Zeit gerade eine Heilpraktiker Ausbildung gemacht und und da eine sehr leichte Übung dagegen gefunden. Also wenn es das Knie ist, schreib mal, dann schicke ich dir ein paar infos. Es ist unglaublich wenn man erzählt das die Tochter solche Schmerzen hat, wie viele menschen dir erzählen: Oh ja hatte ich auch jahrelang. irgendwann war es weg.

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    1. Auch Dir lieben Dank für Deinen Kommentar. Tut sehr gut zu wissen, dass man nicht alleine mit so einem/einer Ex ist.
      Es sind bei Matilda hauptsächlich die Sprunggelenke und es ist tatsächlich diagnostiziertes Rheuma. Aber über Heilpraktiker Tipps freue ich mich immer. Gerne her damit 😉

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  3. Liebe Maggie, gerade heute danke ich Dir so sehr für diese Zeilen. Ich habe sie jetzt schon ein paar Mal gelesen, und heute, wo ich dank Ex innerlich wieder schäume, habe ich sie ganz besonders gebraucht. Monatelang rede ich mir den Mund fusselig, es könne doch unter der Woche mal Bilder vom Kleinen geben. Ein Lebenszeichen. Eine Zusammenfassung, wie die Tage für ihn laufen. Er ist immerhin erst 2. Passiert nicht. Es sei denn, man kann Bilder vom Kleinen schicken, wo er in Pose gestellt die neue schicke Altbauwohnung von Papa und Next präsentiert – „Oskar möchte, dass ich Dir diese Bilder schicke.“ Ernsthaft?! Und ich weiß um seine Lächerlichkeit und seinen kranken Versuch, mir auch nur irgendeine Reaktion zu entlocken, trotzdem macht es mich gleichzeitig auch so wütend. Weil er immer noch nicht verstanden hat, dass es einfach nicht um ihn geht. Dass er seinem Kind ein GUTER Vater und kein BESSER Vater als ich Mutter bin, sein soll. Es ist, wie Du schon sagst, zermürbend.

    Mir bleiben immer wieder Deine letzten Zeilen hängen: „…Ist es Resignation? Nein, es ist Vertrauen. In mich. In meine Tochter. In unsere Beziehung & Bindung!…“ Das hat mich gerade wieder schlagartig herunter gefahren. Auch der Gedanke daran, wie ich meinen Zwerg heute in der KiTa in Empfang nehmen werde – lachend, vor Freude jauchzend und mit Anlauf in Mamis Arme. Das nimmt der Narzisst mir nicht. Nie. Mir nicht und Dir auch nicht.

    Für den Rest brauchen wir einfach nur ein ganz dickes Fell.

    Ich danke Dir für die Arbeit, die Du Dir hier machst. Die Mühe. Und Deinen Mut, das alles mit uns zu teilen!

    Liebe Grüße
    @_gojibeere_

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    1. Liebe Antje,
      soeben habe ich Deinen Kommentar gelesen und er macht mich glücklich und traurig zugleich. Traurig, weil es Dir auch so ergeht mit dem Ex und Du ebenso stark sein musst. Glücklich, weil meine Zeilen hier Sinn machen bzw nützlich sind und dafür danke ich Dir !

      Je kleiner die Kinder sind, umso schwieriger ist es in der Abwesenheit etwas vom Leben mitzubekommen. Dafür kannst Du Dich noch voll und ganz auf das echte Gefühl Deines Sohnes verlassen. Meine Tochter wird bald 9 und oft spüre ich, dass sie erst nachdenkt, bevor sie handelt – also nicht mehr spontan, nicht mehr 100%ig echt. Außer wenn den Vater nicht in der Nähe ist, dann hole ich sie von der Schule ab und es geht mir wie Dir:

      4 Arme schwingen auf – 2 geliebte Menschen fallen hinein – sie sind wieder vereint. 1 Team !

      DAS ist es was zählt ❤

      Liebst, Maggie

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  4. Lass dir von einer Bonus-Mutter sagen, dass kein Elternteil besser oder schlechter ist, so lange er sich so gut er kann um’s Kind kümmert. Kein Elternteil kann den anderen ersetzen. Euer Kind hat nur einen Vater und eine Mutter und die liebt man. Punkt.

    Mach dir also nicht so viele Gedanken. Euer Kind weiß, dass du es liebst!

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