Trennungskinder hätten sich WM gewünscht

Heute Mama, morgen Papa – Der Streit ums Wechselmodell

03.07.2019 Exakt – die Story ∙ MDR Fernsehen

Dieser sehr wertvolle Beitrag zum Thema Wechselmodell ist mir erst heute in den Schoß gefallen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich den letzten Monaten selbst sehr mit dem WM zu kämpfen hatte. Nicht, weil es nicht funktioniert, sondern weil ich finanziell kämpfen musste und meine Tochter und ich in eine kleinere Wohnung gezogen sind. Doch dazu in einem separaten Beitrag mehr.

Hier möchte ich euch einen Beitrag des MDR vorstellen, welcher Anfang Juli gesendet worden ist. Ihr könnt ihn euch bis zum 02.07.2020 in der Mediathek ansehen.

Zwei Dinge sind mir besonders in den knapp 30 minütigen Film aufgefallen. 

Laut einer aktuellen Umfrage wünschen sich 77%  der Bevölkerung nach der Trennung eine gemeinsame Betreuung für gemeinsame Kinder. Bei den befragten Trennungseltern waren es 66%! *Anmerk. die komplette Studie findet ihr hier

Diese Befragung sagt viel aus: nämlich, dass der Wunsch nach einer gemeinsamen Kinderbetreuung nach der Trennung groß ist. 

Die Realität allerdings sieht anders aus: nur 22% der getrennten Eltern setzen aktuell ein Doppelresidenzmodell um. Von einem Wechselmodell sprechen wir, wenn die Aufteilung der Kinderbetreuung mindestens 70/30 beträgt.

Wieso liegen Wunsch und Realität so derart weit auseinander? 

Lieber 30% Vater sein als gar keiner? Experten sind sich einig: eine 30%ige Erziehung und Betreuung sind der Mindestanteil eines Elternteils, um realistisch am Alltag des Kindes teilzunehmen zu können.

Natürlich kamen in diesem Beitrag hauptsächlich Väter zu Wort, die gerne ein echtes Wechselmodell haben möchten. Um finanzielle Ungerechtigkeiten auszugleichen – denn wenn einer das Kind zu 49% betreut,  muss er trotzdem 100% Unterhalt an denjenigen zahlen, der 51% der Bertreuungszeit leistet – und natürlich weil sie gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbingen wollen.

Im Beitrag kamen auch Mütter zu Wort, die sich gegen ein Wechselmodell stellen. Für das Kind und für sich selbst.

Und wie so oft geht es auf beiden Seiten meist ums Geld. Was sehr gut nachvollziehbar ist und ich an dieser Stelle überhaupt nicht werten möchte. Nur mit einem gesicherten Einkommen, kann für ein Kind eine gute Zukunft geschaffen werden.

Was die zweite wichtige Message für mich in diesem Beitrag war, waren die Meinungen und Interviews der größeren Kinder. In diesem Fall besonders die Tochter von Jörg, der zwei Kinder im Teenageralter hat. Annabelle, bereits 18 Jahre alt – bei der Trennung 13, spricht offen im Interview. Sie berichtet von ihrem Loyalitätskonflikt. Immer den inneren Druck gespürt zu haben, sich entscheiden zu müssen. Emotionaler Stress besonders vor den Umgangswochenenden.

„Auch Annabelle hätte das Wechselmodell gut gefunden.“ Und zwar als bestmögliche und harmonische Lösung für die Familie „gleiche Verteilung damit niemand traurig sein muss.“

Und ich denke mit „niemand“ meint sie nicht nur Mama oder Papa, sondern vor allem sich selbst und ihren jüngeren Bruder.

03.07.2019 Exakt – die Story ∙ MDR Fernsehen

in der MDR Mediathek zu sehen bis zum 02.07.2020 18:00 Uhr

Hier gehts zum Beitragslink 

 

 

 

Bildquelle: Photo by Melissa Askew on Unsplash

Published by

Anne & Matilda

Pseudonym für Mama & Tochter im Wechselmodell.

3 Antworten auf „Trennungskinder hätten sich WM gewünscht

  1. Ganz schwieriges Thema!
    Meine Kinder waren 10+12 als ich die Familie verließ.
    Ein Wechselmodel stand nie zur Debatte weil meine Ex dem eh nie zugestimmt hätte.
    Die Kinder wurde unter Druck gesetzt.
    Ich hätte gern ein Wechselmodel gelebt, aber die Chance wurde mir gar nicht gegeben.
    Ich würde aber immer die Kinder mitentscheiden lassen, denn eins habe ich in der Zeit gelernt – als Erwachsener kannst Du die Gedanken der Kinder kaum erraten.
    Meine Kinder sind jetzt über 20 und haben mir jetzt erzählt was ihnen damals durch den Kopf ging. Ich war teilweise geschockt.

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    1. Danke für Deine Zeilen. Ich denke auch, dass Kinder – vor allem je größer sie werden – ein deutliches Mitspracherecht bekommen sollten. Und oft ist es leider so, dass derjenige der geht und damit verletzt, ausgegrenzt wird. Das ist menschlich. Doch bin ich heute froh, dass viele Institutionen den Blick der Eltern auf die Kinder richten. Sie leisten da viel Arbeit in der Mediation. Und wenn Eltern diese Chance der Beratung nicht in Erwägung ziehen, finde ich es gut, dass die Medien über Schicksale von Trennungskindern und Trennungseltern berichten. Um eben genau solche Situationen wie du sie hinnehmen musstest, weniger werden. Oftmals braucht es Zeit um sich wieder anzunähern. Auch Einsicht und Reflektion kommt nicht von heut auf morgen. Gilt auch für ExPartner.
      Ich hoffe Du und Deine Kinder konntet viele Missverständnisse aus der Welt schaffen!?
      LG, Anne

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  2. Wir sehen sind damals zur Caritas. Meine Ex hat es sogar vorgeschlagen mit dem guten Glauben, sie könnte mir damit bestimmte Regeln aufzwingen.
    Unsere Beraterin erklärte direkt beim ersten Termin, dass für sie das Wohl der Kinder an erster Stelle steht und ließ sich dann unsere Situation erklären.
    Ihre abschließende Beratung lief besonders gut für mich, denn das Ziel ist es ja, dass die Kinder auch regelmäßig Kontakt zum Vater haben sollen, sowohl an den Wochenenden als auch in den Ferien und auch wenn sie den Wunsch zwischendurch äußern sollten.
    Der nächste Termin sollte 2 Monate später stattfinden.
    Tja, da meine Ex bei dem Gespräch nur gesagt bekam, was sie den Kindern zu ihrem Wohl zugestehen müsste, war sie so frustriert, dass sie den Folgetermin kurzfristig absagte mit der Begründung, dass diese Beraterin (immerhin Leiterin der Caritas) doch keine Ahnung habe, da sie ja selbst keine Kinder hat.
    Das war es dann. Ich habe s u e von der Caritas nochmal einladen lassen, aber da diese Beratungen natürlich freiwillig sind, hat sie sich geweigert.
    In den folgenden Jahren wurden die Kinder so stark unter Druck gesetzt, dass meine Tochter mit 16J. sogar den Kontakt zu mir abbrach. Jetzt, nach 7 Jahren haben wir Kontakt aufgenommen und versuchen uns anzunähern.

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