Zwei Welten – ein Zuhause?
Wenn Matilda zwei Wochen bei mir ist, fühlt sich alles „ganz“ an. Ihr Kinderzimmer lebt auf, die Wäschekörbe füllen sich, der Tisch ist gedeckt, und das Leben ist bunt und laut. Wir lachen, wir reden, wir kuscheln – und alles dreht sich um uns.
Und dann kommt der Montag, an dem sie zu ihrem Vater wechselt. Das Haus wird still. Ihr Kinderzimmer verwaist, der Tisch bleibt leer, und die Wohnung scheint ein bisschen an Farbe zu verlieren. Es fühlt sich an, als würde ein Stück von mir selbst mit ihr gehen.
Doch ich weiß auch: Bei ihrem Vater erlebt sie genauso schöne Momente. Sie lacht, sie spielt, sie wächst. Und genau darum geht es im Wechselmodell: Zwei Welten zu schaffen, in denen das Kind gleichwertig geliebt, unterstützt und umsorgt wird.
Unsere Anfänge mit 70:30
Anfangs hat der Vater versucht, einem geregelten Umgang für unser Kind Steine in den Weg zu legen. Sein Ziel war es, das 70/30-Modell als ein „Wechselmodell“ zu deklarieren, um auch die Hälfte des Kindergeldes beanspruchen zu können.
Unser Zwei-Wochen-Rhythmus war kompliziert: Meine Tochter war zu 70 % bei mir, und wir hatten unter der Woche regelmäßige Wechsel sowie jedes zweite Wochenende. Doch ich merkte schnell, dass dieses ständige Hin und Her unserer Kleinen nicht guttat.
Die Umstellung auf das „richtige“ Wechselmodell
Aus diesem Grund – und aus weiteren persönlichen Überlegungen – haben wir Anfang 2018 ein „richtiges“ Wechselmodell eingeführt: 50/50. Zwei Wochen Mama, zwei Wochen Papa.
Die Umstellung war für mich anfangs heftig, doch für meine Tochter stellte sich das neue Modell als deutlich besser heraus.
Jetzt gibt es nur noch einmal im Monat den abendlichen Abschiedsschmerz mit Tränen und Umarmungen – und auch das ist okay. Schließlich gibt es diesen Abschiedsschmerz ebenso, wenn sie nach zwei Wochen wieder zu mir zurückkehrt.
Ein Kind – zwei Welten
Nun pendelt meine Tochter alle zwei Wochen in eine komplett andere Familie – in eine andere Welt.
Hier auf dem Blog teile ich die Stimmungen, Alltagssituationen und Herausforderungen, die ich als Alleinerziehende – pardon, „getrennt Erziehende“ – erlebe.
An meiner Seite ist meine Achtjährige, die jeden Tag aufs Neue zeigt, wie stark und anpassungsfähig Kinder sein können.
Die Vorteile des Wechselmodells
- Zeit mit beiden Eltern:
Matilda hat zu uns beiden eine enge Beziehung. Sie erlebt uns in unserem Alltag, in unseren Höhen und Tiefen, in all unseren Facetten. - Gleichberechtigung:
Beide Eltern sind gleichermaßen für die Erziehung und das Wohl des Kindes verantwortlich. Es gibt kein „Haupt-Elternteil“ und keinen „Besuchselternteil“. - Unabhängigkeit für Eltern:
Ich habe Zeit, um durchzuatmen, um Kraft zu tanken, um auch mal nur „ich“ zu sein. Und der Kindsvater hat die gleiche Verantwortung und Fürsorgepflicht.
Die Herausforderungen des Modells
Doch das Wechselmodell ist auch anstrengend:
- Das ständige Vermissen:
Zwei Wochen ohne Matilda fühlen sich manchmal wie eine kleine Ewigkeit an. Der Alltag ist ruhiger, ja – aber auch leerer. - Der organisatorische Aufwand:
Beide Eltern müssen sich gut abstimmen, was Schule, Arzttermine, Hobbys und andere Verpflichtungen betrifft. Alles doppelt und parallel zu managen, ist nicht immer leicht. - Die emotionale Belastung:
Der Abschied tut immer wieder weh. Und es gibt Tage, an denen ich mich frage, ob es für Matilda zu viel ist, zwischen zwei Welten zu wechseln.
Wie geht es Matilda damit?
Ich habe oft das Gefühl, dass Matilda stärker und unabhängiger geworden ist durch dieses Modell. Sie liebt ihren Vater und sie liebt mich. Sie freut sich auf die Zeit mit uns beiden – und sie weiß, dass sie in beiden Welten sicher und geliebt ist.
Doch ich sehe auch die Schattenseiten. Das ständige Packen und Wechseln ist für sie manchmal anstrengend. Sie muss sich alle zwei Wochen neu orientieren, von einer Welt in die andere springen. Es ist nicht immer einfach, in zwei Zuhause zu leben.
Was habe ich gelernt?
Zwei Wochen Mama, zwei Wochen Papa – das bedeutet nicht nur ein Wechsel der Orte, sondern auch ein Wechsel der Gefühle. Es ist ein Modell, das auf Vertrauen basiert:
- Vertrauen in das Kind, dass es diese Herausforderung meistern kann.
- Vertrauen in den anderen Elternteil, dass er sich genauso liebevoll kümmert.
- Vertrauen in sich selbst, dass man loslassen und dennoch Halt geben kann.
Ich habe gelernt, dass ich Matilda loslassen kann, ohne die Bindung zu verlieren. Ich habe gelernt, dass meine Liebe zu ihr unabhängig davon ist, wo sie gerade ist.
Fazit
Das Wechselmodell ist nicht perfekt – kein Modell ist das. Aber es gibt uns die Möglichkeit, als Eltern auf Augenhöhe für Matilda da zu sein. Und es gibt Matilda die Chance, beide Welten zu erleben, zu lieben und darin zu wachsen.
Manchmal tut es weh. Manchmal ist es schwer. Aber wenn ich sehe, wie Matilda lacht, wie sie aufblüht und sich sicher fühlt, weiß ich: Wir haben die richtige Entscheidung getroffen.
Denn letztlich geht es nicht darum, wie viel Zeit sie bei Mama oder Papa verbringt. Es geht darum, dass sie sich in beiden Welten geliebt und geborgen fühlt – und dass sie die Freiheit hat, beide Eltern aus vollem Herzen zu lieben.
