
Wie regeln wir den Wechsel?
Wir haben uns für einen zweiwöchigen Wechsel entschieden. Verschiedene Studien – vor allem aus skandinavischen Ländern – kommen zu dem Ergebnis, dass so wenige Wechsel wie möglich für Kinder am besten sind.
Natürlich spielt das Alter der Kinder dabei eine entscheidende Rolle:
- Kleinkinder (Kindergartenalter) kommen mit einem wöchentlichen Wechsel besser zurecht.
- Noch jüngere Kinder profitieren oft von einem tageweisen Wechsel, wenn sich die Eltern für das Doppelresidenzmodell entschieden haben.
Allerdings bin ich der Meinung, dass das Wechselmodell für sehr junge Kinder oft besonders herausfordernd ist.
Da Kinder erst ab einem Alter von etwa 6 bis 7 Jahren anfangen, ihren Radius auf Freunde und Umgebung zu erweitern, finde ich ein „richtiges“ Wechselmodell 50/50 erst ab diesem Zeitpunkt sinnvoll. Vorher halte ich persönlich einen erweiterten Umgang für besser. Sobald das Kind sich an zwei Zuhause gewöhnt hat und alle Beteiligten gut damit zurechtkommen, ist meiner Meinung nach der Schritt zu einem „echten Wechselmodell“ möglich.
Unser Weg zum Wechselmodell
Zwischen 2015 und Ende 2017 hatten wir eine Betreuungsregelung von 70/30. Seit 2018 leben wir das 50/50-Modell.
Unser Wechsel findet immer am Montag nach der Schule statt:
- Ein Elternteil bringt Matilda Montagfrüh in die Schule.
- Der andere Elternteil holt sie Montagmittag nach der Betreuung ab.
Die „Schicht“ des abgebenden Elternteils endet somit um 8:00 Uhr an diesem Montagmorgen, und die Betreuungszeit des empfangenden Elternteils beginnt. Sollte Matilda an diesem Montagmorgen krank werden, erfolgt der Wechsel um 8:00 Uhr an der Wohnungstür.
Kein Hin- und Hertragen von Sachen
Da beide Elternteile voll ausgestattete Kinderzimmer und Kleiderschränke haben, braucht Matilda keine Sachen hin und her zu tragen. Selbst ihre Gitarre haben wir doppelt, sodass sie nur ihren Schulranzen, die Sporttasche und ihr Notenheft mitnehmen muss.
Natürlich ist diese Lösung finanziell herausfordernd. Alles doppelt anzuschaffen kostet viel Geld. Doch da wir beide so wenig Berührungspunkte wie möglich haben wollen, haben wir uns stillschweigend darauf geeinigt. Es gibt jedoch immer Möglichkeiten, günstige Kleidung zu finden: Kirchenbasare (vor allem bis zur Grundstufe), Outlets, Verwandte oder den Freundeskreis.
Ab einem Alter von etwa 11 bis 12 Jahren wird es schwieriger, da Kinder dann oft ihren Lieblingspulli oder ihre Must-Have-Jeans haben, ohne die sie nicht aus dem Haus gehen möchten. Hier bleibt nur: entweder doppelt anschaffen oder waschen, waschen, waschen. Für alles findet sich eine Lösung.
Die Abschiede – eine emotionale Herausforderung
Die Abschiede sind natürlich schwer – für uns beide. Am letzten Abend ist Matilda oft sehr traurig und hat besonders viel Kuschelbedarf. Als sie noch kleiner war, flossen dabei auch manchmal Tränen. Doch das ist völlig normal – wer nimmt schon gerne Abschied?
Am Wechselmorgen muss ich sie etwas früher wecken, damit wir noch Zeit zum Kuscheln haben und jede „Mama-und-Kind-Minute“ auskosten können.
Matilda selbst hätte lieber einen wöchentlichen Wechsel – oder am liebsten zwei Wochen Mama und eine Woche Papa. Doch ich kann unseren zweiwöchigen Wechsel guten Gewissens vertreten.
Warum unser zweiwöchiger Wechsel für Matilda funktioniert
- Matilda liebt beide Elternteile gleich: Sie hat eine starke Bindung zu uns beiden.
- Ihr geht es bei beiden gut: Sie fühlt sich in beiden Welten sicher und geborgen.
- Handy-Kontakt: Wenn sie beim Vater ist, halten wir per Handy Kontakt, sodass sie sich verbunden fühlt.
- Völliges Eintauchen in die jeweilige Welt: Der zweiwöchige Rhythmus ermöglicht es ihr, in der jeweiligen Welt richtig anzukommen und den Alltag dort zu genießen.
- Matilda kommt glücklich zurück: Wenn sie zurückkehrt, wirkt sie ausgeglichen und zufrieden.
- Das Beste aus beiden Welten:
- Was sie in der einen Welt nicht ausreichend bekommt (z. B. Zeit und Kuscheln), holt sie in der anderen Welt nach.
- Sportliche Aktivitäten und das Leben in einer „Dreier-Familie“ (Vater, Freundin und Matilda) erlebt sie beim Vater.
- Sie profitiert von beiden Seiten, was sie vielseitig und selbstbewusst macht.
Diese Regelung sorgt dafür, dass Matilda das Beste aus beiden Welten genießen kann, ohne das Gefühl zu haben, auf etwas verzichten zu müssen. Gleichzeitig bietet der zweiwöchige Rhythmus genug Stabilität und Ruhe für uns alle.
Wie wir Infos per Übergabe-Emails handhaben, könnt ihr in diesen Blogbeitrag nachlesen: Maximal 5 Themen in der Übergabe