Elterntagebuch oder Kommunikationsheft
Die Übergabe im Wechselmodell – Zwischen Organisation und Emotion
Wenn Kinder in zwei Haushalten leben, wird der sogenannte „Übergabemoment“ zum regelmäßigen Bestandteil ihres Alltags. So banal er im Kalender auch wirken mag – in der Realität ist dieser Moment oft hochemotional, sowohl für Kinder als auch für Eltern.
Die Art und Weise, wie eine Übergabe gestaltet wird, hat einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden des Kindes – und auf die Qualität der Co-Elternschaft. Deshalb lohnt sich ein bewusster Blick auf dieses Thema.
Warum ist die Übergabe so wichtig?
Die Übergabe ist mehr als nur ein Wechsel der Betreuung. Sie markiert für das Kind einen kleinen emotionalen Umbruch: neue Bezugsperson, neues Zuhause, anderes Tempo, vielleicht andere Regeln oder Gewohnheiten.
Wenn dieser Übergang stressfrei, klar und liebevoll gestaltet wird, kann das dem Kind Sicherheit und Orientierung geben. Wenn er hingegen konflikthaft oder unklar abläuft, kann er Unsicherheit oder sogar Schuldgefühle auslösen.
Was macht eine gute Übergabe aus?
Hier findest du wichtige Aspekte, die Eltern bei der Gestaltung der Übergabe im Wechselmodell beachten sollten:
Ort und Zeit der Übergabe
- Eine klare, feste Zeit und ein konstanter Ort (z. B. vor der Schule, Kita oder zu Hause) helfen dem Kind, sich auf den Wechsel einzustellen.
- Bei kleinen Kindern sind kürzere Wechselrhythmen und sanfte Übergänge (z. B. abends statt morgens) oft günstiger.
- In angespannten Situationen kann ein neutraler Übergabeort hilfreich sein – zum Beispiel bei den Großeltern, an einem Spielplatz oder bei der Schule.
Die emotionale Gestaltung
- Der Übergang sollte freundlich, ruhig und positiv ablaufen – ohne Eile, ohne unterschwellige Spannungen.
- Wichtig ist ein wertschätzender Umgang miteinander – selbst wenn es Konflikte gibt.
- Das Kind spürt jede Stimmung. Auch ein „kurzes Hallo“ mit einem Lächeln kann viel bewirken.
Kommunikationshilfen – Übergabeheft oder App
- Ein Übergabeheft kann helfen, wichtige Infos strukturiert weiterzugeben, z. B. über Medikamente, Termine, Schulaufgaben oder emotionale Entwicklungen.
👉 Tipp: Nutzt eine klare Wochenstruktur mit Platz für kurze Notizen – ohne Bewertungen oder Vorwürfe. - Alternativ können digitale Tools wie 2houses, FamCal oder eine geteilte Notiz (z. B. via Google Docs) verwendet werden.
Was braucht das Kind bei der Übergabe?
- Kontinuität: Lieblingskuscheltiere, Schulmaterialien oder bestimmte Kleidungsstücke sollten zuverlässig mitgegeben werden.
- Mitspracherecht: Je nach Alter kann das Kind in die Übergabeplanung einbezogen werden
- Kein Druck: Das Kind sollte nicht „parteiisch“ sein müssen. Es darf sich auf beide Eltern freuen.
Was tun bei hoher Konfliktbelastung?
- In konfliktreichen Situationen kann eine Übergabe durch Dritte sinnvoll sein – etwa durch Großeltern, Freunde oder einen Fahrdienst.
- Auch eine sogenannte „stille Übergabe“ (z. B. über die Schule oder Kita) ist möglich, wenn direkte Begegnungen vermieden werden sollen.
- Wenn Übergaben regelmäßig zu Spannungen führen, kann eine Mediation helfen, gemeinsam neue Lösungen zu finden.
Weitere Tipps für den Übergabemoment:
- Keine Gespräche über Konflikte oder Finanzen bei der Übergabe! Dafür sind andere, ruhige Zeiten besser geeignet.
- Kind loben, ermutigen, verabschieden – nicht „abgeben“. Die Übergabe ist kein Verlust, sondern ein Wechsel der Fürsorge.
- Bei Traurigkeit oder Tränen: Verständnis zeigen, nicht bagatellisieren – aber dem Kind vermitteln, dass alles in Ordnung ist.
Übergabe ist Beziehungspflege
Eine gut gestaltete Übergabe ist ein kleiner Akt der großen Verantwortung, die Eltern nach der Trennung gemeinsam tragen. Sie zeigt dem Kind: „Wir sind beide für dich da. Auch wenn wir getrennt leben, arbeiten wir zusammen.“
Nicht immer gelingt jede Übergabe perfekt – und das muss sie auch nicht. Aber der Wille, sie fair, ruhig und verlässlich zu gestalten, macht einen spürbaren Unterschied. Für euch als Eltern. Und ganz besonders für euer Kind.
Als Übergabeheft eignet sich am besten das gute, alte Hausaufgabenheft für die Schule. Oder ihr gestaltet euch selbst einen Planer.
Hier sind Vorschläge, was alles drinstehen sollte:
Grundstruktur (wiederholt sich pro Woche oder Betreuungszeitraum)
Gesundheit & Wohlbefinden
Schule / Kindergarten / Tagesablauf
Emotionale Stimmung & Verhalten
Freizeit & Aktivitäten
Offene Fragen / Hinweise an den anderen Elternteil
Übergabehinweise
Optional: Platz für das Kind selbst