Das unwohlsein der modernen Mutter

Mareice Kaiser

Buchvorstellung

Webdesign

Versorgerin, Businesswoman, Mom I’d like to fuck – Mütter sollen heute alles sein. Dass darunter ihr Wohlbefinden leidet, ist kein Wunder. Mareice Kaiser, Journalistin und selbst Mutter, stellt immer wieder fest: Das Mutterideal ist unerreichbar und voller Widersprüche. Nichts kann man richtig machen und niemandem etwas recht. Mutterschaft berührt dabei, natürlich, jeden Lebensbereich: Denn egal, ob es um Arbeit, Geld, Sex, Körper, Psyche oder Liebe geht – Stereotype, Klischees und gesellschaftlichen Druck gibt es überall, auf Instagram, im Bett und im Büro. Mareice Kaiser zeigt, wo Mütter heute stehen: noch immer öfter am Herd als in den Chefetagen. Und, wo sie stehen sollten: Dort, wo sie selbst sich sehen – frei und selbstbestimmt.

ISBN
978-3499003493

Preis Softcover
16 €

Verlag
rowohlt

Erschienen
21. April 2021

„Die Frau, die Mutter wird, bleibt eine Frau – dann einfach eine mit Kind. In Deutschland wird sie zur Mutter.“

S. 173

Der für mich persönlich einprägsamste Satz in diesem Buch und die Essenz des Themas.

In Mareice Kaisers Buch geht es um die Vielfältigkeit der Mutterschaft und vor allem um die vielen Rollenbilder, die eine Frau und Mutter heutzutage zu erfüllen hat. Der Druck der Gesellschaft in allen Rollen: Mutter, Ehefrau, Geliebte, Arbeitnehmerin, Tochter, Pflegende, Helfende, somit Heilige, aber auch Hure (MILF) perfekt zu sein. Schlank, trainiert und gesund. Und sexy, aber nicht zu sehr. Schmückendes Beiwerk des Mannes. Doch trotzdem selbstbewusst, aber nicht zu sehr. Perfekt organisierte Familienmanagerin. Und erfolgreich im Job, aber nicht zu sehr. Sie zeigt, woher dieses scheinbar unantastbare Rollenbild der aufopfernden Mutter kommt – nämlich aus der Zeit der Nationalsozialisten und beschreibt, wie die Mutterrollen danach in Ost- und Westdeutschland gelebt wurden.

Wie viel von diesem Spagat ist selbstauferlegter Druck und wie sehr beeinflusst uns unser Umfeld, Gesellschaftsbild, Politik und Social Media? Wenn wir uns zB Instagram anschauen, scheinen wir einen Weg zurückzumachen in die 50er-Jahre Ehe. Der Mann ist erfolgreich und sexy Mom staffiert mit Schürze und High-Heels Heim und Kind aus. Mit Weichzeichner und Influenzereinkommen versteht sich.

Die Autorin macht in ihrem Buch bewusst darauf aufmerksam, dass wir meilenweit davon entfernt sind selbstbewusst, eigenständig und solidarisch zu sein. Mutterbashing ist das oberste Gebot. Welche Mutter ist perfekter als die andere? Wir sprechen uns gegenseitig die Mutterrolle ab, wenn wir nicht dem anderen Weltbild entsprechen. Kriterien sind Fremdbetreuung, Job und Karriere, Betreungsaufteilung innerhalb der Familie und vor allem nach der Trennung.

Mareice Kaiser lebt mit ihrer Tochter im Wechselmodell, was am Rande des Buches erwähnt wird. Sie als Journalistin und Schreibende schafft sich bewusst Freiraum, um eben nicht nur die Mutterrolle zu erfüllen, sondern um sich selbst als Frau und Künstlerin nicht zu vergessen. Zum einen, weil es ihr Broterwerb ist, zum anderen für ihre Kreativität.

Ich kann dieses Buch zu 100% empfehlen. Es macht Mut, um sich aus der Rolle der perfekten, aufopfernden Mutter zu lösen, ohne das Gefühl zu haben eine Rabenmutter zu sein. Ein Begriff, den es eh nur im deutschen Sprachgebrauch gibt. Eine Tatsache, die zum Nachdenken anregt.

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